Feministische Ökonomik

Die feministische Ökonomik (femÖk) untersucht den wechselseitigen Zusammenhang von Geschlechterverhältnissen und Ökonomie. Sie fasst dabei auch den unbezahlten, nicht-marktvermittelten Teil der Wirtschaft und Gesellschaft ins Auge und beleuchtet, welche Triebkräfte hinter den heute verbreiteten Dichotomien wirtschaftlich-sozial, produktiv-reproduktiv, maskulin-feminin, bezahlt-unbezahlt oder öffentlich-privat stecken. Damit widmet sich die femÖk auch der Analyse des Patriarchats und des Kapitalismus als miteinander verschränkte Herrschaftsformen. Dabei stellt sie Fragen nach der Verfügung über Eigentum, Einkommen, Macht, Wissen und den eigenen Körper.

Die Feministische Ökonomik ist kein einheitliches Paradigma, da es sowohl liberale, konstruktivistische als auch kritische Forschungstraditionen innerhalb der feministischen Ökonomik gibt, was unter 8.) näher erläutert wird. Jedoch beschäftigen sich alle Ansätze mit der sogenannten Care- oder Reproduktionsarbeit. Darüber hinaus werden die Rolle des Staates, der Wissenschaft, der Sprache und Wachstumsdynamiken für Geschlechterverhältnisse untersucht. Dabei wird kritisiert, dass die Wirtschaftswissenschaften die Erfahrungen von Frauen ausblenden und darauf hingewiesen, dass Frauen wenig in den Wirtschaftswissenschaften vertreten sind. Diese Umstände wirken sich  wiederum auf die wissenschaftliche Erkenntnis aus. Die feministische Ökonomik macht also deutlich, dass wissenschaftliche Erkenntnis und allgemein akzeptierte Ideen ebenso durch Herrschaftsverhältnisse geformt sind wie die gesamte Gesellschaft. Beispielhaft dafür ist, dass die Analyse von Geschlechterverhältnissen erst nach Jahrhunderten der Aktivitäten der Frauenbewegungen zunehmend Eingang in die Volkswirtschaftslehre findet.

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Unsere (Lehr-)Buchempfehlung mit Verfügbarkeit in der Bibliothek:

Haidinger, B. und Knittler, K. (2014): Feministische Ökonomie: Intro. Mandelbaum.

Bauhardt, C. und Çağlar, G. (2010): Gender and Economics. Feministische Kritik der politischen Ökonomie. VS Verlag für Sozialwissenschaften.